Craftquelle Bonn

Dem India Pale Ale (IPA) auf der Spur

Für die meisten Craftbeer-Fans ist Craftbeer fast deckungsgleich mit dem Stil India Pale Ale (IPA). In meinem Bottle-Store habe ich deshalb immer rund 50 verschiedene IPAs vorrätig. Bei einem IPA-Tasting erfahrt Ihr alles über diesen eigentlich alten Bierstil, der aus dem frühen 19. Jahrhundert stammt und lange Zeit verschwunden war. Erst seit der Wiederentdeckung durch US-Heimbrauer in den 1980ern hat sich das IPA bis heute wieder zu einem der beliebtesten Bierstile der Welt entwickelt.

Keines meiner Bier-Tastings ist gleich. Ich veranstalte keine Null-Acht-Fünfzehn-Tastings, sondern überlege mir für jedes Tasting eine andere Herangehensweise. Das gilt auch für IPA-Tastings. Mal geht es darum, die Bandbreite des Stils darzustellen, der aus Unterstilen besteht wie: Session-IPA, Black-IPA, Wheat-IPA, Sour-IPA, West-Coast-IPS, New-England-IPA, Milkshake-IPA etc. Oder wir verkosten IPAs aus bestimmten Regionen oder von bestimmten Brauern.

Die faszinierende Geschichte des IPA

Ein weiterer spannender Tasting-Ansatz ist der Blick auf die Geschichte. Die Engländer wollten im 19. Jahrhundert das damalige Bier in ihre Kolonien wie Indien verschiffen. Dieser Transport war nicht unproblematisch für das Bier. Deshalb haben sich die Brauer etwas einfallen lassen, wie die Biere die bis zu sechs Monate lange Überfahrt besser überstehen konnten. Die Lösung: Das Bier wurde stärker gebraut – hatte also mehr Alkohol. Es wurde außerdem länger gelagert und während der Lagerung nochmal extra kaltgehopft. So entstand das berühmte „Hopfenstopfen“ oder „Dry-Hopping“, das so typisch für IPAs ist und die tollen Aromen aus den ätherischen Ölen des Hopfens ins Bier zaubert. Diese Braumethode wird mittlerweile wieder überall auf der Welt angewendet. Es gibt aber einen Unterschied zu früher: Heute geht es nicht so sehr um Haltbarkeit – dafür gibt es andere Verfahren, als vielmehr um besonders intensive Aromen. Durch spezielle Züchtung entstanden zunächst in den USA besondere Hopfensorten wie der berühmte Cascade-Hopfen, der viel aromatischer ist, als es die alten Sorten jemals waren. So ist der typische, fruchtige IPA-Geschmack entstanden, der zum Beispiel an Maracuja, Grapefruit oder Zitrone erinnert und viele Craftbeer-Fans heute so sehr fasziniert, dass sie nicht genug davon kriegen können.

Wie genau die historischen IPAs geschmeckt haben, können wir nur vermuten. Es gibt aber heute noch Biere, die wahrscheinlich diesen alten IPAs sehr nahe kommen. Bei meinem historischen IPA-Tasting könnt Ihr Euch auf eine spannende Zeitreise durch die Jahrhunderte begeben und erfahrt anschaulich wie sich dieser populäre Bierstil aus einer Not heraus immer weiter bis zu den wahren Aromabomben von heute entwickelt hat.