Craftquelle Bonn

Neue Craftbeer-Feste in Köln

Seit 2010 hat Peter Esser, Braumeister und Betreiber der Braustelle in Köln Ehrenfeld, jedes Jahr das legendäre „Festival der Bierkulturen“ veranstaltet. Lange Zeit war es das einzige Craftbeer-Festival in Köln. Doch nach dem letzten Festival hat Peter sich dazu entschlossen, ein Jahr auszusetzen und 2019 kein Festival zu machen. Diese Pause sei ihm gegönnt. Kaum war dieser Entschluss bekannt, haben sich einige andere Veranstalter wohl gedacht, jetzt sei eine gute Gelegenheit, mit einem eigenen Festival in die Lücke zu springen. Dass es dann gleich vier neue Craftbeer-Festivals in Köln geben wird und teilweise sogar im selben Monat, war dann doch etwas überraschend. 

Insbesondere im Mai war die Konstellation mit zwei Festivals (Bierfest 9.-11. Mai, Craftbeer-Festival Cologne 25.-26. Mai) innerhalb von zwei Wochen nicht so ideal. Beim Bierfest, kam erschwerend dazu, dass es für ein Outdoor-Festival doch noch ziemlich kalt war. Beim Craftbeer Festival Cologne war die Location in der Stadthalle Mülheim vielleicht dem einen oder anderen Craftbeer-Nerd nicht cool genug, um sich auf den Weg zu machen. Aber wer weiß dass schon. Jedenfalls hätten sich die Veranstalter beider Festivals etwas mehr Besucherzulauf gewünscht. 

Wie ich aus vielen Gesprächen weiß, trauern einige Craftbeer-Fans auch immer noch dem Festival der Bierkulturen mit seiner schon fast familiären Atmosphäre nach. So schön das Festival der Bierkulturen auch war, ich glaube es ist gut, auch mal andere Locations und andere Formate auszuprobieren. Das das gleich im ersten Jahr nicht so 100-prozentig klappt, weiß ich aus eigener Erfahrung als Veranstalter von vielen Gesundheitsmessen. Man braucht einen langen Atem, um ein Festival zu etablieren. Die Mikkeller Beer Celebration in Kopenhagen zum Beispiel hat auch mal klein angefangen. Ich finde die neuen Veranstalter haben in Köln vieles richtig gemacht und es wäre schade, wenn sie sich jetzt entmutigen lassen und nicht weiter machen würden. Köln ist groß genug, um  langfristig zwei oder sogar drei gute Festivals zu vertragen, wenn sie zeitlich nicht zu nahe aneinander liegen und sich konzeptionell unterscheiden.

Ich habe sowohl das Craft Beer Festival Cologne im Mai als auch auf dem Hopfenfest im August besucht und mir hat es auf beiden Festivals gefallen. Ich konnte interessante Biere entdecken und interessante Gespräche führen – was will man mehr?  Hier ein paar Eindrücke:

Cologne Beer Festival

Als Peter Eser mitteilte, dass er in diesem Jahr kein Festival der Bierkulturen machen möchte, ist als erster Michael Busemann in die Bresche gesprungen. Als Biersommelier und PR-Berater, der unter anderem auch eine große (wenn auch nicht Craftbeer-) Brauerei zu seinen Kunden zählt, fehlt es Michael weiß Gott nicht an Erfahrung für so ein Projekt. So war die Vorbereitung aus meiner Sicht auch erwartungsgemäß sehr professionell. Die Website, die Social Media Arbeit – das alles war gut gemacht. Am 25./26. Mai war es dann soweit. Das Cologne Craft Beer Festival öffnete in der Stadthalle des Kölner Stadtteils Mülheim die Tore. Ich war am Sonntag da und da war schon einiges los. Aber kein Massenauflauf – das hatte ich aber auch nicht anders erwartet.

Das Line-up an Brauereien, die Michael nach Köln geholt hat, war wirklich beeindruckend. Darunter internationale Größen wie Beavertown, Mikkeller, van Molen, oedipus, Brewdog, Sierra Nevada, AleBrowar und viele andere. Insgesamt aus rund 350 unterschiedliche Bieren von 60 Brauereien konnte der Besucher auswählen. Darüber konnte meines Erachten niemand klagen. Ich habe jedenfalls interessante Biere probiert, wie den Barley Wine „Bommen & Granaten“ von de Molen und „Kiss from a Rose“ ein Witbier mit Litschi und Rosenwasser von van Moll. Außerdem habe ich gute Gespräche u. a. mit Sebastian Sauer von Freigeist Bierkultur und vielen anderen der anwesenden Brauern geführt. Für mich hat sich der Besuch absolut gelohnt.

Ob es im nächsten Jahr wieder ein Cologne Craft Beer Festival geben wird, ist noch nicht klar. Es hängt laut Michael unter anderem davon ab, wie es mit dem Festival der Bierkulturen weitergeht. Die Besucherresonanz müsse außerdem  besser werden. Ich glaube aber, mit einer anderen Location und weniger Terminkollision könnte das funktionieren. Ich würde es auf jeden Fall bedauern, wenn dieses doch sehr ambitionierte Craftbeer-Festival wieder verschwinden sollte.

Hopfenfest

Die Hopfenfeste finden seit einigen Jahren vor allem Städten im Ruhrgebiet statt. Ich war im letzten Jahr zum Beispiel in Bochum dabei. Nach Köln wagten sich die Macher in diesem Jahr zum ersten Mal. Mit dem Veranstaltungsgelände „Odonien“ in Köln Ehrenfeld haben sie sich eine ausgefallene aber auch sehr „craftige“ Location ausgesucht. Direkt gegenüber dem gigantischen Bordell Pascha hat der Künstler Odo Rumpf eine einzigartige Verbindung aus Freiluftatelier, Werkstatt, Veranstaltungsort und Kulturzentrum mit verrosteten Maschinen und Kunstwerken, die überall herumstehen, geschaffen. Das Fest hatte drei Tage geöffnet: Vom 1. bis zum 3. August. Ich war am Samstagabend da. Glücklicherweise war der Samstag wettertechnisch sehr schön. Ich war zum ersten Mal in „Odonien“ und es erinnerte mich stark an die Ruinenkneipen in Budapest oder in Berlin-Mitte in den 90ern. Es gab auch eine Musikbühne, wo ein Singer-Songwriter aufgetreten ist. Insgesamt eine sehr coole Atmosphäre. Das Angebot an Brauereien war bei weitem nicht so vielfältig und international wie beim Cologne Craftbeer Festival. Ich bin aber dennoch auf meine Kosten gekommen. Nur den Kauf des Bierpasses hätte ich mir sparen können. Denn die zehn Biere, die man damit probieren konnte, waren größtenteils langweilig.

 

 

 

 

Noch mehr Feste

Im Mai hatte auch noch Michael Solms, der Betreiber des Delirum Café Köln, zum Bierfest eingeladen. Solms betreibt weitere Craftbeer Bars u. a. in Hannover und Braunschweig und zieht mit seinen Bierfesten vor allem im Norden Deutschlands durch die Städte. In Köln fand das Bierfest auf dem Outdoor-Gelände am Südstadion statt. Ich kann wenig darüber sagen, da es mir an dem Tag einfach zu kalt war, um dahin zu gehen. Solms hatte so ein Bierfest im letzten Jahr auch bei mir um die Ecke in Bonn-Beuel organisiert. Eine Wiederholung wird es in Bonn leider nicht geben, weil auch hier aus Sicht des Veranstalters wohl zu wenig los war. Hier mein Bericht von damals. Es gibt aber Überlegungen einiger Bonner Crafbeer-Professionals, die sich zusammen geschlossen haben, um in Bonn ein eigenes Craftbeer-Festival auf die Beine zu stellen. Es ist aber zu früh, um dazu etwas Konkretes zu sagen.

In diesem Jahr kommt außerdem noch ein weiteres Festival in Köln auf uns zu, und zwar das Hopfendankfest am 21. und 22.9. in der Birreria – Duexer Botschaft. Hier ist Roland Schön federführend, der Betreiber des Kölner Craftbeer-Bottle-Stores „Bier macht schön“. Wenn mir nichts dazwischen kommt, bin ich natürlich dabei.

Hier auf dieser Website findet Ihr übrigens auch einen Kalender mit Festivalterminen im In- und Ausland fürs ganze Jahr. Einfach in der rechten Menüleiste auf den betreffenden Monat klicken. Oder hier klicken.