Craftquelle Bonn

Berliner Craftbeer-Pionier Thorsten Schoppe

Berlin Craftbeer Pfefferbräu
Thorsten Schoppe (links) vor seinen Sudkesseln in Restaurant Pfefferbräu

Unter den Craftbeer-Pionieren Deutschlands ist Thorsten Schoppe wahrscheinlich derjenige, der schon am längsten dabei ist. Seit 2001 braut er in Berlin experimentelle Biere jenseits des Mainstreams. Also schon zu Zeiten in denen selbst Leute wie Fritz Wülfing (Ale-Mania) und Johannes Heidenpeter (Heidenpeters) noch nicht im Traum dran dachten, eine eigene Brauerei zu gründen.

Als ich kürzlich wieder beruflich in Berlin zu tun hatte, dachte ich mir, ruf doch einfach mal bei Thorsten an und frag ihn, ob er mir seine Brauerei auf dem Pfefferberg im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg zeigen kann. Der Pfefferberg ist ein ehemaliges Brauereigelände oberhalb der Schönhauser Allee. Hier gründete im 1841 der bayerische Braumeister Johannes Pfeffer seine Brauerei, zu der auch ein schöner Biergarten gehörte. Den Biergarten gibt es heute noch. Dort habe ich schon häufig mit Freunden unter alten Bäumen lecker gegessen und getrunken.

Die Geschichte des Pfefferberges

Berlin Pfefferberg Prenzlauer Berg
Der alte Pfefferberg vor der Sanierung

Die alte Brauerei, die zu dem Zeitpunkt der Berliner Schultheiß GmbH gehörte, wurde nach dem zweiten Weltkrieg geschlossen. In den 90ern gründete eine Initiative von Anwohnern den Pfefferwerk-Verein zur Förderung von Stadtkultur e. V., der sich für eine kulturelle und soziale Nutzung einzusetzen begann. Auf dem Pfefferberg entwickelte sich ein umfangreicher, in ganz Berlin bekannter Veranstaltungsbetrieb. 1999 schließlich erwarb eine Tochtergesellschaft des Vereins mit finanzieller Unterstützung des Landes Berlin und privater Förderer das Brauereigelände und brachte es als Stiftungskapital in die Stiftung Pfefferwerk ein. Ab 2002 wurde das Gelände in Teileigentümer aufgeteilt und später nach und nach veräußert. Heute befinden sich dort Ateliers, zum Beispiel das des chinesischen Künstlers Ai Wei Wei,  Ausstellungs- und Veranstaltungsräume, Ausbildungsstätten, ein Hostel, ein großes spanisches Restaurant und seit 2013 eben auch Thorsten Schoppes Restaurant Pfefferbräu mit seiner Mikrobrauanlage.

Ein Brauer bei der Arbeit

So sieht das Restaurant Pfefferbräu, in dem sich auch die Brauanlage befindet, heute aus.

Von der Linienstraße, wo ich immer wohne, wenn ich in Berlin bin, ist es nicht weit zum Pfefferberg, so dass ich zu Fuß gehe. Die Terminvereinbarung mit Thorsten war völlig unkompliziert. Er sagte am Telefon, „komm einfach vorbei“. Und so stehe ich dann im Restaurant, in dem die kupferfarbenen Sudkessel mittendrin ihren Platz haben. Thorsten steht oben auf einer Plattform mit einem Mitarbeiter an der Schalttafel und geht seiner Arbeit nach. Um die Braukessel herum wuseln Kellner und Gäste. In Ruhe brauen – wie ich es bei Sebastian Mergel in seiner Marzahner Bierfabrik erlebt habe, ist hier nicht drin. Aber das hat er so gewollt, wird mir Thorsten später sagen. Der Brauprozess soll für alle sichtbar sein.

Es dauert nicht lange, bis Thorsten mich entdeckt. Wie ein Methusalem der Craftbierszene sieht der studierte Brauer gar nicht aus. Allerdings auch nicht wie viele der Jungbrauer mit ihren Bärten im Holzfäller-Look. Auf mich wirkt Thorsten eher wie ein freundlicher Biker ohne Tattoos aber durchtraniert wie ein Leistungssportler. Das ist also der Mann, der die Craftbeer-Szene in Berlin und vielleicht auch in ganz Deutschland aus der Taufe gehoben hat. Viele haben zusammen mit ihm an seiner früheren Stätte am Südstern in Kreuzberg gebraut, unter anderem auch Sebastian Mergel und seine Freunde, als sie sich noch Beer4Wedding nannten.

Brauen als ständiges Experiment

Ich frage Thorsten nach seinem derzeitigen Sortiment und seinem liebsten Bier unter den eigenen. Nach kurzem Überlegen nennt er das Juice – ein New England IPA. In einem Interview hat er mal gesagt, dass er entgegen dem Trend keine sauren Biere mag. Ist das immer noch so? Darauf lacht er  verschmitzt und meint „nicht mehr ganz, denn wir haben mittlerweile mit dem Sauren Nick selber eins“. Aber wenn Thorsten schon ein saures Bier braut, dann ein Besonderes. Deshalb ist der Saure Nick mit Waldmeisteraromen aus Blaubeeren versetzt. Das Experimentelle am Brauen scheint ihm wichtig zu sein. Deshalb auch die Fülle an unterschiedlichen Bieren im Sortiment. Wo andere sich mit vier oder fünf Bieren begnügen, hat Thorsten gleich über zwanzig verschiedene im Regal stehen. Einige sind schon nicht mehr lieferbar und neue kommen ständig dazu. So hört das Experiment nie auf und es wird nie langweilig. Einmal Craft immer Craft – könnte man sagen.

Craftbeeer Schoppe Bräu Berlin
Schoppe Bräu hat viele unterschiedliche Biere im Sortiment.

Das neuste Experiment sind fünf zertifizierte Bio-Biere – unter anderem ein Pilsener, ein IPA und ein Porter. „Eigentlich ist Bier sowieso immer ein Bioprodukt“, meint Thorsten. „Denn außer natürlichen Zutaten und Wasser ist ja da keinerlei Chemie drin.“ Aber um ein Produkt „Bio“ nennen zu dürfen, ist in Deutschland ein Zertifikat nötig. So ist gewährleistet, dass die Zutaten aus kontrollierten Anbaubetrieben stammen. 15 Prozent des Gesamtumsatzes machen die Bio-Biere bei Schoppe derzeit aus. Ich frage, ob das die Biere teurer macht. Ich höre erstaunt, dass das nicht der Fall ist und wundere mich, wie Thorsten dieses Kunststück gelungen ist. Bei Bio-Brot oder Fleisch ist das jedenfalls anders.

Zum Abschluss unseres netten Gesprächs bei schönstem Wetter im Biergarten des Pfefferbräus, führt mich Thorsten noch in den Keller unter dem Restaurant und den Sudkesseln. Hier befindet sich das Malzlager und eine Anlage mit dem das Malz nach oben befördert wird. Auch die Gär- und Lagertanks sind hier eingebaut – alles auf engstem Raum. Thorsten ist im Element, wenn er mit leuchtenden Augen von seiner Anlage spricht – ein Brauer in seiner Welt. Davon möchte ich ihn nicht länger abhalten und verabschiede mich. Selbstverständlich gibt es einige Biere von Schoppe Bräu demnächst auch in der Craftquelle Bonn – unter anderem auch das New England IPA „Juice“.