Craftquelle Bonn

Geniales Tasting mit acht belgischen Bieren

Dieses Wochenende war wirklich sehr vom Biergenuss geprägt. Am Freitag das tolle Tasting mit Biersommelierweltmeister Stephan Hilbardt und dann am Samstag haben wir unter der Anleitung von Biersommelier Tom Kremer sage und schreibe acht tolle belgische Biere in der Ale-Mania Brauerei in Beuel-Pützchen verkostet.

Tom, der auch selbst gebraute Biere unter dem Label „Tom´s Hütte“ verkauft, erwies sich als ein wirklicher Kenner belgischer Biere. Ich dachte, dass ich mich auf dem Gebiet eigentlich auch ganz gut auskenne, dennoch habe ich in den knapp drei Stunden, die das Tasting gedauert hat, jede Menge dazu gelernt. So kannte ich einige der von Tom mitgebrachten Biere noch gar nicht.

Zum Beispiel das letzte Bier, welches wir verkostet haben, das Cuvée Delphine Vintage, von der zwar noch jungen, aber schon gefeierten belgischen Brauerei De Struise Brouwers. Sage und schreibe 13 Prozent Alkohol hatte dieses dunkle Stout und damit noch mehr Umdrehungen als der Lahnsteiner Dopplelbock Rohminator von Freitag, der „nur“ auf 10,2 Prozent kam. Das Cuvée Delphine war auch wirklich der Höhepunkt am Samstag. Geschmacklich denkt man eher an einen Expresso oder eine flüssige Bitterschokolade. Danach und vor allem im Abgang machen sich weitere komplexe Aromen breit, die von der 12-monatigen Lagerung in Ex-Bourbonfässern stammt. Ein herrliches Bier, von dem aber schon ein kleiner Schluck reicht, da man von dieser Fülle an Geschmack (und Alkohol) sonst schnell überfordert wird.

Hier die anderen Biere, die wir verkosten haben waren:

Blanche de Namur von der preisgekrönten Brauerei Du Bocq. Ein herrlich erfrischendes Witbier mit 4,5 Prozent auch zum gemütlichen Zechen im Sommer geeignet. Das Aroma herrlich fruchtig duftend nach Zitrus, Orangen, Bananen und etwas Koriander. Erinnert an ein gutes Weizenbier. Im Abgang ein ganz leichte kaum zu merkende Bitterkeit. Ein tolles Sommerbier und meines Erachtens noch etwas leckerer als das bekanntere Hoegaarden.

 

 

 

Saison Dupont von der Brasserie Dupont. Dieses Bier wird auch „Mutter aller Saisonbiere“ bezeichnet. Diese Biere werden auch Farmhouse Ale genannt und sind erstmals im französisch sprachigen Teil Belgiens, der Wallonie, hergestellt worden. Sie wurden im Winter gebraut und dann im Sommer vor allem von Feldarbeitern getrunken. Heutige Saisonbiere haben einen etwas höheren Alkoholgehalt als früher – damals waren es wohl nur rund drei Prozent. Das Saison Dupon dagegen kommt mit 6,5 Prozent in die Flasche. Auch hier finde ich Zitrusaromen aber dann auch eine grasige, kräuterige Note. Der Abgang ist deutlich trockener als beim Witbier.

Duchesse de Bourgogne der Brauerei Verhaeghe Vichte. Dabei handelt es sich um ein weiteres preisgekröntes Bier und zwar um ein Oude Bruin Bier. Auch dieses Bier ist ein obergäriges Bier, dass in der Flasche nachgereift wurde. Die Flasche wird dabei täglich gedreht, um ein optimales Ergebnis zu erzielen. Die rotbraune Farbe kommt vom Anteil an geröstetem Malz. Den Geschmack fand ich leicht säuerlich, spritzig und gleichzeitig war aber auch eine Malzsüße da. Dieses Bier wird vor der Nachgärung ein Zeit lang in Eichenfässern gelagert, was dem Bier auch ein leicht holzige Note verschafft. Ein tolles Bier mit gut trinkbaren 6,2 Prozent Alkohol – fast wie ein Champagner.

Orval von der Brasserie d‘ Orval – ein echtes Trappistenbier, das ich hier auch schon besprochen habe. Ein tolles, komplexes Bier das an Wein oder Cidre erinnert. Siehe auch meine Besprechung hier.

La Chouffe von der Brasserie d’Achouffe – ein belgisches Starkbier mit 9 Prozent. Es wird auch als Double IPA bezeichnet und wurde erste 2006 zum erstem Male gebraut. Es handelt sich also um keinen alten Bierstil, sondern eher um ein modernes Craft Beer aus Belgien. Mir hat es an dem Abend nicht so gut geschmeckt. Vielleicht lag es an den tollen Bieren, die wir davor getrunken haben, aber ich fand es nicht sehr harmonisch. Der Antrunk ist doch recht scharf und bitter, dann kommt für meinen Geschmack zu wenig Frucht und Malzsüße durch und der Abgang ist wieder sehr bitter.

Westmalle Trappist Tripple von der Westmalle Trappistenbrauerei. Dieses Bier gehört zu meinen Lieblingsbieren und deshalb sei auch hier auf meine ausführliche Besprechung verwiesen. Ich habe mich sehr gefreut, dass dieser Klassiker der belgischen Bierkultur an dem Abend dabei war.

Oude Kriekder Brauerei Boon. Hiebei handelt es sich um ein typische Lambic Bier, in dem Sauerkirschen mit vergoren werden. Anschließend reift es vier Monate in einem gebrauchtem Holzfass, in dem Riesling aus dem Rheinland gelagert wurde. Danach folgt die für belgische Spitzenbiere typische Flaschenreifung, bei der auch der hohe Gehalt an Kohlensäure entsteht. Wieder ein sehr tolles Bier, das Tom rausgesucht hat. Ich kannte es noch nicht, es hat mir aber sehr gut geschmeckt. Besonders auffällig ist der rosarote Schaum im Glas. Das Bier riecht stark nach Sauerkirschen und schmeckt auch so. Der Abgang ist trocken. Ein herrlicher Aperitif.

Hier nochmal alle geleerten Flaschen auf einen Blick:

Das Fazit des Abends:

Es war tolles Tasting-Erlebnis mit Tom, im ungewöhnlichen aber super passenden Ambiete der Ale-Mania Brauerei, von Craft Beer Pionier Fritz Wülfing, die ich hier ja auch schon besprochen habe. Tom hat uns sogar eine kleine Brauereiführung zu Gute kommen lassen und uns erklärt, wie er hier als sogenannter Gypsy Brauer (so werden Brauer ohne eigene Brauerei bezeichnet) sein eigenes Bier braut. Dieses Bier haben wir natürlich auch probiert. Doch das bespreche ich ein andermal.