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Wie hat sich die industrielle Revolution auf das Bierbrauen ausgewirkt?

Vor dem Industriezeitalter war die Bierherstellung weitgehend lokal und von äußeren Faktoren wie Jahreszeiten, Wasserqualität sowie von unkontrollierbaren Mikroorganismen (Pilzen, Bakterien) abhängig. Deshalb war es nahezu unmöglich, ein Bier in immer gleichbleibender Qualität herzustellen. Genauso wenig konnte man es über weite Strecken transportieren oder in sehr großen Mengen herstellen. Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts sorgten jedoch eine Reihe wissenschaftlicher Erkenntnisse und Erfindungen dafür, dass dies alles möglich wurde:

1860 – 1876 Louis Pasteur entwickelt die „Pasteurisierung“

Louis Pasteur, 1822 – 1895

Bierbrauen war lange Zeit von unberechenbaren Zufällen abhängig. Oft machte die sogenannte „Bierkrankheit“ den Brauern das Leben schwer, weil das gebraute Bier plötzlich ungenießbar wurde. Niemand wusste so richtig, welche Vorgänge dahinter steckten, bis der französische Chemiker und Mikrobiologe Louis Pasteur die Bedeutung von Mikroorganismen wie Hefepilzen und Bakterien beim Bierbrauen erkannte. Daraus folgte, dass man Bier und andere Lebensmittel extrem haltbar machen kann, indem man es kurzzeitig stark erhitzt und so sämtliche darin befindliche Mikroorganismen abgetötet. Dieses später als „Pasteurisierung“ bezeichnete Verfahren wird heute bei nahezu jedem industriell hergestelltem Bier angewandt.

1873-1877 Carl von Linde entwickelt die Kältemaschine

Nach der Erfindung einer funktionierenden Kältemaschine durch Carl von Linde konnten Brauereien überall

Die erste Kältemaschine – erfunden von Carl von Linde

auf der Welt und zu jeder Jahreszeit lange haltbare, untergärige Biere im großen Stil brauen. Die ersten Brauereien, die 1877 neue Kältemaschine einsetzten waren die österreichische Dreher Brauerei, die niederländische Heineken Brauerei und die Spaten Brauerei aus München.

1883 Christian Hansen isoliert und vermehrt einzelne Hefezellen

Es gibt nicht nur eine natürlich vorkommende Hefe, sondern unzählige „Stämme“, die alle unterschiedliche Eigenschaften haben: Obergärige, untergärige und wilde Hefen sind nur Oberbegriffe. Die Artenvielfalt in der Natur ist viel größer. Dazu kommen noch jede Menge Bakterien, die alle um das üppige Nahrungsangebot im Gärbottich kämpfen. Wer sich durchsetzt, bestimmt letztlich den Geschmack des Bieres. Der dänische Biochemiker Christian Hansen revolutionierte die Bierproduktion, indem er einen einzelnen Hefestamm (Saccharomyces carlsbergensis) isolierte und vermehrte. Erst diese sogenannte „Reinzucht“ ermöglichte es, die Gärung unter kontrollierten Bedingungen ablaufen zu lassen. Damit war der Weg zum industriell produzierten, vollkommen geschmacksstabilen Bier geebnet.