Rhineland IPA 654

Seit Mitte Februar gibt es endlich das erste eigene Bier der Craftquelle Bonn. Hier für euch ein paar interessante Infos und Fakten zum Bier:

Eckdaten:

Name: Rhineland India Pale Ale 654
Alkohol: 6,5 Prozent (Stammwürze 15 Grad Plato)
Bittere: 45 IBU
Farbe: 30 EBC
Malz: Pilsener, Pale Ale, Cara-Hell, Melanoidin, Weizen
Hopfen: Citra, Cascade, Mandarina Bavaria, Saphir und Comet-Doldenhopfen (in Bonn gewachsen)

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Verkostungshinweis:

Das Rhineland IPA 654 wurde nach der Hauptgärung zusätzlich mit den Hopfen Citra, Cascade und Mandarina Bavaria kaltgehopft. Die Nachgärung fand in der Flasche statt, wie bei einem Weizenbier. Das IPA ist nicht filtriert und nicht pasteurisiert. Deshalb bildet sich nach längerem Stehen im Kühlschrank ein sichtbarer Bodensatz. Wer den Bodensatz nicht mittrinken möchte, kann das Bier wie einen Wein dekantieren, indem er nur den Anteil oberhalb des Bodensatzes ins Glas gießt. Wer es eher “Hazy”, also trüb, mag, der mischt den Bodensatz vor dem Trinken auf. Es schmeckt beides und die Trübstoffe aus dem Hopfen und der Hefe enthalten sogar wertvolle Vitamine und sekundäre Pflanzenstoffe. Natürlich solltet ihr den Bodensatz am Ende nicht pur trinken, das schmeckt dann doch etwas zu “hefig”.

Nase:

Schon beim Öffnen der Flasche strömen die intensiven Aromen der Hopfenöle in die Nase. Es riecht nach Zitrus, Ananas und Mandarine und macht Lust auf mehr.

Geschmack:

Die Rezenz des Rhineland IPA 654 ist eher niedrig – es perlt fein auf der Zunge. Der Körper liegt irgendwo zwischen schlank und voll. Zunächst kommen die Zitrus- und Ananasnoten durch, dann im Abgang immer mehr die Mandarine. Die Bittere ist vorhanden, aber sehr gemäßigt. Wir wollten ein Einsteiger IPA und keine Hopfenbombe kreieren. Außerdem sollte es eine gewisse “Süffigkeit” haben und entfernt an das Nationalgetränk der Kölner – also an Kölsch – erinnern. Ihr sollt auch ein zweites davon trinken können, ohne dass Eure Geschmacksknospen gleich überfordert werden.

Foodpairing:

Ich kann mir das Rhineland IPA 654 gut zu rheinischen Gerichten wie Reibekuchen mit Lachs oder einem Halven Hahn vorstellen. Aber auch zu Indish Curry passt es durch seine Fruchtigkeit gut. Als Dessert empfehle ich Obsttorte oder Fruchteis. Meine Käseempfehlung wäre Comté.

Die Entstehungsgeschichte:

Links: Christoph Steinhauer, Craftquelle Bonn und rechts: Christoph Coltro, Coltro Brauservice bei der Lieferung des Rhineland IPA 654

Ich wollte schon lange ein eigenes Bier für die Craftquelle produzieren. Als großer IPA-Fan musste es als Erstes natürlich auch dieser Bierstil sein. Mit dem Brauen von IPAs habe ich als Hobbybrauer so einige Erfahrung machen können. Als ich damit anfing, war vor allem das Hopfenstopfen die Herausforderung. Unter diesem Link findet ihr eine Liste der häufigsten Fehler, die man als Hobbybrauer aus meiner Sicht dabei machen kann.

Auf meinem Speidel Braumeister kann ich nur 20 Liter Bier produzieren. Das heißt, ohne einen Braupartner, der für mich ein Bier nach meinen Vorstellungen braut, ging also gar nichts. Eine solche Brauerei zu finden ist nicht so einfach. Denn die meisten Profi-Brauereien fahren nur Sude weit jenseits der Menge von 200 Litern (600 Flaschen), die mir so vorschwebte. Im Dezember 2020 habe ich mir deshalb die Coltro Brauerei in Hürth bei Köln angeschaut. Braumeister Christoph Coltro hat zusammen mit seinem Vater dort ein ganzes Brauhaus neu gebaut, in dem die nagelneue Brauanlage, ein schöner Schankraum, diverse Tastingräume und sogar ein Biergarten Platz finden. Neben seiner Hauptanlage, mit der Christoph zehn Hektoliter (=1.000 Liter) brauen kann, hat er aber auch noch einen 200-Liter-Braumeister – ideal für meine Zwecke.

Ich habe sofort gemerkt, dass Christoph sein Brauhandwerk wirklich versteht, schließlich hat er unter anderem bei Reissdorf und Paulaner gearbeitet. Seine Ausbildung zum Braumeister absolvierte er an der renommierten Doemens-Akademie in München. Bei soviel Kompetenz habe ich nicht lange überlegt und wir waren uns schnell einig. Ich habe ihm mein Rezept vorgelegt, das er natürlich noch an seine Brauanlage anpassen musste. Außerdem war es mir sehr wichtig, mit ihm zusammen einige IPAs zu verkosten, damit er eine Vorstellung bekommt, welches Geschmacksprofil genau ich haben möchte. Und das war gut so, denn es ist genau so geworden wie ich es haben wollte.

Name und Story:

Auf dem Etikett dient der Bonner Rheinkilometer 654 als Eye-Catcher – eine Hommage an den rheinischen Charakter

Der eine oder andere mag sich fragen, was es mit dem Namen “Rhineland IPA 654” auf sich hat und was die Zahl bedeutet. Wer am Rhein aufgewachsen ist, sollte das eigentlich sofort erkennen. Die Zahl ist natürlich der Rheinkilometer 654 am Beueler Ufer zwischen Canale Grande und Anleger der Rheinnixe. Die Idee war es, einerseits ein leckeres IPA mit klassischen amerikanischen Aromahopfen wie Cascade (der erste moderne IPA-Hopfen) und Citra zu brauen. Andererseits wollte ich aber auch unsere heimische Bierkultur im Rheinland würdigen. Deshalb haben wir den Rheinkilometer als Symbol gewählt und zusätzlich klassische deutsche Aromahopfen aus der Hallertau, also Mandarina Bavaria und Saphir verwendet. Als besondere Zutat haben wir noch in Bonn angebauten Doldenhopfen eingesetzt, den mir mein Hobbybrauer-Freund Wolle zur Verfügung gestellt hat. Das Bier ist deshalb genauso eine Hommage an die US-Craft Beer Kultur wie an die Bierkultur im Rheinland. Sein Charakter ähnelt dem Rheinländer, der ja auch ein Resultat der vielen Völker ist, die hier im Laufe der Jahrhunderte durchgezogen sind: weltoffen, feierlustig, kreativ und heimatverbunden.

Wie die Kunden es finden:

Der Verkaufsstart der Rhineland-IPAs ist sehr gut angelaufen

Von den vielen positiven Rückmeldung, die ich bisher bekommen habe, freut mich eins am allermeisten: Offenbar mögen auch IPA-unerfahrene Biertrinker das Rhineland-IPA. Das ist genau das, was ich mit diesem Bier erreichen wollte. Ich erinnere mich noch gut daran, dass mir das erste IPA, das ich getrunken habe, viel zu bitter war. Diese Schwelle muss man erst einmal überwinden. Manche sind dann so abgeschreckt, dass sie nie mehr wieder ein IPA trinken wollen. Das ist beim Rhineland IPA 654 jedenfalls nicht der Fall.

Natürlich gibt es auch den einen oder anderen dem es nicht so schmeckt, vor allem Hopheads, denen es nie bitter und hopfig genug sein kann. Wenn Ihr zuerst ein kräftiges Double IPA trinkt und danach das Rhineland IPA 654, wird dieses dagegen natürlich abfallen.  Aber damit kann ich gut leben, denn mit DIPAs von Frau Gruber oder Fuerst Wiacek mitzuspielen war nie mein Ziel.

Das schönste Lob kam bisher von einem Stammkunden, der meinte, er hätte lange nicht so ein gutes IPA getrunken. Das würde selbst ich nicht so sagen, denn ich trinke viele IPAs und natürlich gibt es viele bessere – aber auch schlechtere. Da muss man objektiv bleiben. Aber gefreut hat es mich trotzdem sehr. Ein weiteres Lob kam von meinem Sommelier-Kollegen und Heinenhof-Brauer Michael Roesgen, auf dessen kritisches Urteil ich große Stücke halte. Er fand es gut: “viel Aroma, nicht zu viel Bittere. Extrem gefällig”. Ich finde das trifft es perfekt.

Wie es weiter geht:

Der Verkaufserfolg macht jedenfalls Mut. Ich habe an den ersten drei Verkaufstagen bereits über 100 Flaschen verkauft. Wenn das so weiter geht, ist die erste Auflage innerhalb eines Monats weggekauft und ich muss wieder neu produzieren. Es wird auf jeden Fall nach dem guten Start nicht das letzte Bier der Craftquelle bleiben.

In Kürze wird auch mein Webshop online gehen, über den ich die Craftquelle-Biere zusammen mit anderen ausgewählten regionalen Bieren bundesweit verkaufen werde. Diese Biere werden dann im Internet nur in meinem Webshop erhältlich sein.