
Breslau kann Bier. Die schlesische Metropole ist neben Warschau die Craft-Beer-Hauptstadt Polens. Aber das ist nicht alles was die Stadt an der Oder zu bieten hat. Wer wissen will, wie Europa schmeckt – mit all seinen Widersprüchen, seinen kulturellen und kulinarischen Überlagerungen sowie seinem Aufstieg als Phönix aus der buchstäblichen Asche – der sollte nach Breslau, dem heutigen Wroclaw, fahren.

Breslau – die Stadt, die sich immer neu erfindet
Wer Breslau – wie ich im Februar 2026 – das erste Mal besucht, der stolpert über etwas, das sich schwer in Worte fassen lässt: eine Art kulturelle Überfülle, ein Wimmelbild aus Epochen, Sprachen und Küchen. Der gewaltige gotische Marktplatz, Rynek genannt, könnte in Deutschland, Tschechien oder Polen stehen – und er stand, im Laufe der Jahrhunderte, tatsächlich in allen dreien. Kein Wunder, dass die Stadt, die Deutschen als Breslau, Tschechen als Vratislavia, Juden als Breslev und Polnisch sprechenden Menschen seit 1945 als Wrocław bekannt ist, kulinarisch wie bierig so aufregend ist wie kaum eine andere Metropole Mitteleuropas.

Die Geschichte der Stadt beginnt im frühen Mittelalter als slawische Gründung auf der Dominsel. Im 13. Jahrhundert entwickelte sich Breslau dann dank deutscher Siedler zur blühenden Hansestadt. 1335 fiel es an Böhmen, 1526 an die Habsburger, 1742 an Preußen unter Friedrich dem Großen. Bis 1945 war Breslau eine mehrheitlich deutschsprachige Großstadt mit rund 640.000 Einwohnern, für viele die schönste Stadt des Deutschen Reichs. Dann kam der Zweite Weltkrieg und die totale Apokalypse. Die Stadt wurde – als letzte deutsche Festung – buchstäblich in Schutt und Asche gelegt. Ihre deutschen Bewohner wurden vertrieben, ersetzt von Polen, die ihrerseits zum großen Teil aus den von der Sowjetunion annektierten Ostgebieten Polens vertrieben worden waren.

Was blieb? Die Gebäude – soweit sie den Krieg überlebt hatten oder neu aufgebaut wurden. Und, obwohl es lange offiziell verdrängt wurde: die Erinnerung an eine deutsche, jüdische, böhmische Vergangenheit. Es ist diese multikulturelle Identität, die Breslau heute zu einem so spannenden Reiseziel macht. Und es ist genau dieser Geist – das Nebeneinander von Traditionen, das Aufgreifen und Neuerfinden –, der sich auch in der Bier- und Gastronomiekultur der Stadt widerspiegelt.
Das Silicon Valley an der Oder
Wer Breslau noch als osteuropäische Provinzstadt abgespeichert hat, liegt seit mindestens einem Jahrzehnt falsch. Die Stadt mit heute rund 690.000 Einwohnern hat sich zu einem der dynamischsten Wirtschaftszentren Europas entwickelt. Das Beratungshaus fDi Intelligence der Financial Times kürte Breslau zuletzt zum Platz eins unter den mittelgroßen Städten Europas in Sachen Investitionspotenzial. Kein Wunder: In den vergangenen fünf Jahren zog die Stadt über 10,8 Milliarden Dollar an ausländischen Direktinvestitionen an. Google richtete seinen ersten polnischen Bürositz in Breslau ein. Nokia, IBM, Microsoft, Credit Suisse – die Namen klingen wie ein Who-is-Who des globalen Kapitalismus.

Damit nicht genug: Pro 4.500 Einwohner gibt es in Breslau und der Region Niederschlesien ein Start-up – die höchste Dichte in ganz Polen. Kein Wunder, dass man die Stadt längst als „Polens Silicon Valley“ bezeichnet. Etwa 78.000 Tech-Fachleute arbeiten hier, die Polytechnische Universität Breslau bildet Ingenieure auf höchstem Niveau aus, und die internationalen Bewerbungen auf Universitätsplätze kommen mittlerweile aus aller Welt.
Was hat das mit Bier zu tun? Eine Menge. Denn diese junge, gut verdienende, kosmopolitisch geprägte Bewohnerschaft – die Tech-Ingenieurin aus der Ukraine, der Software-Entwickler aus Deutschland, der Start-up-Gründer aus Warschau – verlangt nach Qualität, nach Erlebnis, nach Authentizität. Der Craft-Beer-Boom in Breslau ist zu einem guten Teil auch ein Boom einer neuen Mittelklasse, die weiß, was ein gut gebrautes IPA von einem Industriepils unterscheidet, und die bereit ist, dafür zu zahlen.

Eine Bierstadt mit tiefen Wurzeln
Dabei ist Breslau keine Newcomerin im Biergeschäft. Bereits eine Urkunde von 1255, ausgestellt von Herzog Heinrich III. von Breslau, erwähnt den Anbau und die Verarbeitung von Hopfen in der Region. Im 14. Jahrhundert lagerte die Stadtratskammer Gerstenbier in den Rathausskellern. Im 16. Jahrhundert Weizenbiere – vor allem der berühmte Breslauer Schöps. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts betrieben Brauer ein halbes Dutzend bedeutende Betriebe in der Stadt, die sowohl bayerisch-inspirierte Weizenbiere als auch böhmisch-tschechische Pilsner produzierten.

Vom einst reichen Erbe blieb nach Krieg, Vertreibung und Planwirtschaft jedoch kaum etwas übrig. Die Brauereien Piastowski und Mieszczański überlebten, wurden zur Gesellschaft Browary Dolnośląskie Piast zusammengeschlossen – und stellten 2004 die Produktion ein. Der letzte Braukessel erkaltete. Kapitel Ende. Oder besser: Kapitel Anfang. Denn in dieses Vakuum hinein entstand in den 2010er Jahren, fast explosionsartig, eine neue Brauereikultur.
Die großen Drei
Browar Stu Mostów – Die Hundert-Brücken-Brauerei
Kein Name könnte treffender sein: Browar Stu Mostów, die Brauerei der hundert Brücken, spielt auf den Spitznamen Breslaus an – „Venedig des Ostens“ –, das mehr Brücken besitzt als irgendeine andere Stadt Europas außer Venedig selbst. Gegründet 2014 am nördlichen Stadtrand, hat sich Stu Mostów zur Flaggschiff-Brauerei nicht nur Breslaus, sondern Polens insgesamt entwickelt.

Die Zahlen sprechen für sich: 2023 brauten sie 10.000 Hektoliter Bier; 2024, zum zehnjährigen Jubiläum, überschritt die Produktion erstmals die Millionen-Liter-Grenze. 30 bis 35 Prozent gehen in Fässer an Bars und Restaurants in Breslau und Polen; der Rest landet in Dosen und Flaschen in Supermärkten und Spezialgeschäften – und inzwischen auch in Exportmärkten in Deutschland, Spanien, Italien und Schweden. Dass 2016 eines ihrer Biere von RateBeer.com zum Beer of the Year gekürt wurde, machte weltweit auf sie aufmerksam.
Der Taproom in der Brauerei ist ein Erlebnis: Eine Galerie-Ebene thront direkt über den kupferfarbenen Braukesseln und Fermentationstanks. Man sitzt, trinkt, und kann dem Braumeister bei der Arbeit zuschauen – Transparenz als Geschäftsmodell. Zehn Zapfhähne bieten ein rotierendes Programm aus eigenen Bieren, ergänzt durch internationale Gäste-Sude und Kollaborationen mit Brauereien aus aller Welt. Die Philosophie des Hauses ist ebenso traditionsbewusst wie experimentierfreudig: Die Serie WRCLW (gesprochen: Wrocław) widmet sich der Neuinterpretation historischer Breslauer Bierstile – allen voran dem Schöps, dem Weizenbier, das die Stadt einst berühmt machte.
Das Küchenprogramm des Taprooms ist, und das überrascht bei einer Brauerei, auf verblüffend hohem Niveau. Wer die Malzbrezel mit Gorgonzola-Käsesauce und Chili-Zwiebel-Chutney probiert hat, versteht, was „BrewPub-Küche“ im 21. Jahrhundert bedeuten kann. Die Stu Mostów-Gruppe betreibt mittlerweile drei Standorte in Breslau: die Brauerei in Długosza, das Bistro in der Świdnicka 4 in der Altstadt sowie einen Stand in der Tarczyński Arena. Das alljährliche Beer Geek Madness Festival im April – mittlerweile in der elften Ausgabe – zieht Craft-Bier-Enthusiasten aus ganz Europa in die ehemalige Straßenbahndepothalle Czasoprzestrzeń.
PINTA Wrocław – Wo Polens Craft-Revolution begann
Wenn Stu Mostów die Gegenwart der Breslauer Craftbier-Szene verkörpert, steht PINTA für ihre Geschichte. Am 28. März 2011 – in Breslau – brauten Marek, Grzegorz und Ziemowit Fałat die erste Charge Atak Chmielu, das erste amerikanisch-inspirierte IPA, das je in Polen kommerziell gebraut wurde. Das war, in der polnischen Bierwelt, ein Urknall. PINTA startete ohne eigene Anlage als „nomadische Brauerei“, zog von Brauerei zu Brauerei und verbreitete den Craft-Gedanken in einem Land, in dem drei Konzerne damals 80 Prozent des Marktes kontrollierten.

2019 eröffnete PINTA die eigene, moderne Brauerei in Wieprz in Südpolen – und wurde zur größten Mikrobrauerei Polens. Sieben Jahre nach dem Breslauer Urknall kehrte PINTA zurück: Das Taproom PINTA Wrocław in der ul. Podwale 83, eingebettet in den gläsernen Koloss des OVO-Gebäudes, ist heute mit 24 Zapfhähnen ein Paradies für Craft Beer Liebhaber aus der ganzen Welt. Neben den eigenen Bieren gesellen sich andere polnische Craft-Marken wie Maltgarden oder FunkyFluid sowie internationalen Legenden wie Evil Twin oder Stone Brewing an den ständig wechselnden Zapfhähnen. Die Slow-Food-Küche ist durchdacht, die Atmosphäre eine Mischung aus urbanem Loft und Brauereicharme.
„Dass der erste Pub PINTAs in Wrocław entstand, ist kein Zufall. Hier begann 2011 alles – hier schließt sich der Kreis.“ – Ziemowit Fałat, Chefbrauer und Mitgründer von PINTA
AleBrowar – Pionier mit Haltung
Die Brauerei AleBrowar wurde zwar 2012 in Leborg (Lauenburg, Pommern) gegründet, aber mittlerweile hat die Betreibergesellschaft ihren Sitz in Breslau und der bekannteste BrewPub der Brauerei befindet sich ebenfalls in der schlesischen Hauptstadt. Ebenso wie PINTA gehört AleBrowar auch zu den Gründervätern der polnischen Bierrevolution. Ihr Breslauer Flagship-BrewPub in der ul. Pawła Włodkowica 27 liegt im sogenannten „Viertel der gegenseitigen Achtung“ – dem Vier-Tempel-Viertel, wo Synagoge, orthodoxe Kirche, evangelischer Dom und katholische Kirche auf engstem Raum zusammenstehen. Ein Ort mit Symbolkraft.

Nicht weit davon befindet sich auch der BrewPup von AleBrowar
Der Taproom selbst ist minimalistisch bis an die Grenze des Asketischen: Holz, Weiß, und dann die Farbe, die aus den 13 Zapfhähnen strömt. AleBrowar selbst braut neben legendären IPAs auch experimentelle Biere wie zum Beispiel ein rauchig schmeckendes Bier auf Basis von chinesischem Lapsang Tee.
Und sonst? Das breite Feld der Breslauer Bierwelt
Wer die drei großen Craft-Adressen abgehakt hat, hat noch lange nicht alles gesehen. Im Rathauskeller am Rynek, mitten im Herzen der Altstadt, arbeitet seit 1992 das Spiż. Kupferkessel hinter Scheibe, Fermentationstanks einsehbar, neun Eigenbrausorten vom Jasne Pełne bis zum Miodowe-Honigbier. Wer hier zum ersten Mal bestellt, bekommt gratis dunkles Brot mit Schmalz – Hausbrauch und Einladung zur Gemütlichkeit zugleich. Das Spiż ist kein Craft-Tempel, aber ein authentischer Ort, der die alte Brauhaustradition am Leben erhält.

Ebenfalls im Gebäude des historischen Ratshauses liegt der berühmte Schweidnitzer Keller wo seit dem Mittelalter – offiziell seit 1273 – Bier ausgeschenkt wird. 2022 wurde das in polnischer Sprache Piwnica Świdnicka bezeichnete Kellerlokal umfangreich renoviert und mit einer modernen Brauanlage von Kaspar Schulz ausgestattet auf der heute auch wieder eine Rekonstruktion des historischen Breslauer Schöps gebraut wird.

Auch einen Besuch wert, wenn auch etwas außerhalb im Norden ist das Beer Loft. Wer diesen Ort mit seinem roten Mauerwerk, seinen 18 Hähnen und seiner römischen Pizza zum ersten Mal betritt, versteht sofort, warum Breslaus Gastro-Szene Europa-weit Aufmerksamkeit bekommt. Das Beer Loft ist eine moderne Kombination aus Restaurant und Craft-Bier-Bar, die sich auf dem Areal der ehemaligen Browary Wrocławskie befindet. Das Besondere: Die Beer Wall – eine selbstbedienbare Bierwand mit 20 Zapfhähnen. Die Gäste können hier eigenhändig verschiedene polnische und internationale Craft-Biere zapfen. Ganz ähnlich wie in den Taprooms der niederländischen Craft Beer Kette Taphys in den Städten Arnheim, Utrecht und Tillburg, zahlt man mit einer mit Geld aufladbaren Karte, die man nur an den jeweiligen Zapfhahn hält.

Die Küche des Beer Lofts ist eine moderne Fusion aus polnischen Traditionen, japanischen Einflüssen und nordischem Minimalismus. Zu den Spezialitäten gehören auf Holzkohle gegrillte Tomahawk-Steaks (1,2 kg), hausgemachte Tapas und Gerichte wie Filet Supreme alla Wellington. In der oberen Etage befindet sich eine Galerie für moderne Kunst und am Wochenende finden regelmäßig Events mit Live-Musik oder DJ-Sets statt.
Der Schmelztiegel auf dem Teller
Schlesische Küche: deftig, süß, unverkennbar
Die schlesische Küche ist das Fundament. Sie ist – wie die Stadt selbst – eine Küche der Übergänge und Vermischungen: polnische Bodenständigkeit, böhmische Süße, preußisch-deutsche Schwere, österreichische Finesse. Ihr bekanntestes Gericht, das Schlesische Himmelreich (Śląskie Niebo), kombiniert gekochten Schweinebauch mit einer Sauce aus gedörrten Pflaumen und Aprikosen – eine Süß-Salzig-Spannung, die im ersten Moment irritiert und im zweiten begeistert. Die Kluski śląskie, Kartoffelklöße mit ihrem charakteristischen Daumenabdruck in der Mitte, begleiten traditionell Rinderrouladen in dunkler Soße.
Das Breslauer Rotkraut ist, anders als der polnische Bigos (der sauer ist), süß – mit Äpfeln, Rosinen und einem Schuss Rotwein. Żurek, die säuerliche Roggenmehlsuppe, ist über die gesamte polnische Küche verteilt, aber in Breslau begegnet man ihr an jeder Ecke, in rauchigen Tonkrügen oder mit hartgekochtem Ei und gerösteter Wurst. Das Restaurant Pod Fredrą am Marktplatz (gegenüber der Fredro-Statue) gilt als verlässlichste Adresse für diese Klassiker in historischem Rahmen.
Lemberg lebt in Breslau
Was nach 1945 geschah, ist einer der faszinierendsten Vorgänge der europäischen Kulinarikgeschichte: Die Polen, die aus Lemberg (dem heutigen ukrainischen Lviv) und Galizien vertrieben wurden und sich in Breslau niederließen, brachten ihre Rezepte mit. Barszcz ukraiński, die rote Rote-Bete-Suppe; Halushky, die weichen Teigklößchen mit Käse und Speck; Blinchiki, hauchdünne Pfannkuchen mit saurer Sahne – all das ist heute in Breslau so präsent wie in Kiew oder Lemberg selbst. Die Karczma Lwowska am Marktplatz ist das bekannteste Lemberger Lokal, ein rustikales Gasthaus mit vorzüglichem Żurek und Bigos in Originalrezeptur.
Seit dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine 2022 hat sich die ukrainische Gemeinschaft in Breslau nochmals erheblich vergrößert – auf geschätzte zehn Prozent der Stadtbevölkerung. Entsprechend ist das kulinarische Angebot gewachsen. Das Hortyca in der ul. Więzienna, das Restaurant Kozacka Chatka im Süden der Stadt und etliche weitere Adressen bieten authentische ostukrainische Küche, wie man sie in Polen sonst nur selten findet. Die georgische Küche – mit den berühmten Chinkali, teigtaschenartig, gefüllt mit Fleischbrühe – ist ein weiterer Beitrag dieser östlichen Einwanderungsgeschichte.
Böhmen und Deutschland: Stille Mitbewohner
Die böhmische Vergangenheit macht sich ebenfalls bemerkbar – nicht zuletzt in der Bierkultur. Bernard am Rynek serviert moderne tschechische Küche in bester Altstadtlage, und der Geist des böhmischen Pilsners, der hier Jahrhunderte lang gebraut wurde, lebt in manchen Sorten des Spiż weiter. Die deutsche Vergangenheit ist kulinarisch subtiler gegenwärtig – im Rotkohl-Rezept, in der Wucht mancher Fleischgerichte, in der Biergartenkultur, die in Breslau so selbstverständlich lebt wie in Bayern.

Na zdrowie! – Ein Prost auf die Stadt der hundert Brücken
Es gibt Städte, die man für ihre Schönheit besucht. Es gibt Städte, die man für ihre Geschichte besucht. Und es gibt Städte, die man besucht, weil sie einen Sog erzeugen, eine Energie, die man erst versteht, wenn man mittendrin ist. Breslau – Wrocław – ist eine solche Stadt. Ihre Bierwelt ist keine Nische, sie ist Spiegel: einer Stadt, die ihre komplizierte Vergangenheit aufgearbeitet hat und daraus etwas Neues gemacht hat. Die Schöps-Rezeptur des 16. Jahrhunderts, die Stu Mostów aus alten Archiven ausgegraben und neu gebraut hat; das erste polnische IPA, das hier die Craft-Revolution auslöste; das Glas böhmisches Pilsner im Rathauskeller; die Vareniki aus Lemberg, die auf einem Wrocławer Teller landen – all das ist dieselbe Geschichte.
Zwerge und Milchbars
Es gibt noch so viel zu berichten aus dieser einzigartigen Stadt. Zum Beispiel über die mehr als 600 Bronzezwerge, die einem in der Innenstadt überall begegnen: In Hauseingängen, in Passagen, auf Plätzen und Straßen. Die Zwerge, die seit 2001 über die ganze Stadt verteilt sind, erinnern an die Oppositionsbewegung „Orangene Alternative“ der 1980er Jahre, die Zwerge als Symbol des friedlichen Widerstands nutzte.
Oder über die sogenannten Milchbars – Restaurants mit dem Charme einer Kantine, in denen es aber gutes Essen für jedermann gibt, solange der Vorrat reicht. Die Milchbars sind eine polnische Institution und stammen noch aus der schweren Nachkriegszeit, als die Bevölkerung mit günstigem Essen versorgt werden musste.
Tasting zur polnischen Craftbeerszene
Wer auf den Geschmack gekommen ist, für den habe ich einen besonderen Tipp: Ich veranstalte am 18. Juli ein Tasting zur polnischen Craftbeer-Szene: Tickets könnt ihr hier buchen.

Must-Try-Tipps: Der Breslau-Guide für Bier- und Foodfans
| Ort | Kategorie / Adresse | Highlight / Empfehlung | Biertipp |
| Browar Stu Mostów – Taproom & Brewery | Craft-Brauerei / Taproom ul. Jana Długosza 2–6 | Direkt am Braukessel sitzen, Blick auf die Produktion. Preisgekröntes Bier (RateBeer 2016 Beer of the Year). Herausragende Küche – die Malzbrezel mit Gorgonzola-Sauce ist Kult. 10 Zapfhähne, alles frisch. | WRCLW Schöps (Weizen nach historischem Breslauer Rezept) oder Salamander AIPA |
| PINTA Wrocław | Craft-Bar / Taproom ul. Podwale 83 (OVO-Gebäude) | Größtes Craft-Taproom Polens im beeindruckenden OVO-Hochhaus. 24 Zapfhähne, internationale Gäste-Biere, originelle Slow-Food-Küche. Pioniersatz: Hier debütierte PINTA 2011 mit Polens erstem IPA. | Atak Chmielu IPA (Polens erstes Craft-IPA, Ikone der Szene) |
| AleBrowar Wrocław | Craft-Taproom ul. Pawła Włodkowica 27 | Minimalistischer Hipster-Charme im Vier-Tempel-Viertel. 13 Hähne ausschließlich AleBrowar. Lampenschirme aus Fässern, Fläschchen zeigen Bierfarbe. Dazu neapolitanische Pizza vom Koło Pieca-Konzept. Pionier der polnischen Craft-Szene. | King of Hop APA oder Smoky Joe Rauchbier – zwei Extreme des Hauses |
| Browar i Restauracja Spiż | Traditionsbrauhaus Rynek Ratusz 2 (Rathauskeller) | Seit 1992 –in den Gewölbekellern des gotischen Rathauses. Kupferkessel hinter Glas, 9 Eigenbrausorten. Im Sommer: Riesenbiergarten am Marktplatz. | Miodowe (Honigbier) oder das Ciemne Karmelowe (Karamellschwarz) |
| Café Mleczarnia | Café / Kultspot ul. Włodkowica 5 | Im ehemaligen jüdischen Viertel, neben der restaurierten Synagoge. Wunderschöner Innenhof unter Kastanienbaum. Polnische Hausmannskost trifft auf Kaffeekultur – Sernik und Pączki als Pflichtprogramm. | Kein Bierfokus, aber perfekte Pause zwischen Brauerei-Touren – historisch einmalig |
| FAM. – Craft Beer & Pizza | Multitap & Pizzeria ul. Kolejowa 14/16 | Im roten Backsteinviadukt einer alten Eisenbahn – atemberaubendes Industrieambiente. Kombination aus fränkischen Kellerbieren, polnischem Craft und echter römischer Pizza. 18 Hähne, immer abwechslungsreiche Auswahl. | Franconian Kellerbier vom Fass – selten außerhalb Bayerns so frisch |
| Karczma Lwowska | Restaurant (Lemberg-Küche) ul. Oławska 2 | Das Herz der Lemberger (Lviv) Traditionsküche, die 1945 mit den Vertriebenen nach Breslau kam. Rustikales Ambiente, authentischer Żurek und Bigos. Lebendige Geschichte auf dem Teller. | Dazu passt ein klassisches Polskie Piwo vom Fass – kein Craft, aber historisch stimmig |
| Beer Geek Madness / Wrocław Good Beer Festival | Events Czasoprzestrzeń (April) / Tarczyński Arena (Juni) | Zwei Pflichttermine im Jahr: Das von Stu Mostów veranstaltete Beer Geek Madness (April, ~50 Brauereien) und Polens größtes Bierfestival (Juni, 150 Brauereien, 500+ Sorten, Eintritt frei). Wrocław wird zur internationalen Bierhauptstadt. | Spezial-Releases der Festivals probieren – exklusiv, nie wieder so zu haben |







